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Hundstage

Eigentlich kommen sie erst zwischen 23. Juli und 23. August – die Hundstage. Dann steht die Luft und eine drückende, lähmende Hitze macht sich breit, die alles zum Erliegen bringt und Stillstand einfordert. Liegt es an der Klimaerwärmung in Krisenzeiten oder ist es einfach ein wiederkehrendes Phänomen nach einem Wechsel der Jahreszeiten? Heuer sind sie bereits viel früher da, vor Schulschluss, die Hundstage.
Sehnsüchtig wartet die Bevölkerung auf frischen Wind, oder wenigstens eine sanfte Brise – aber nichts rührt sich. Zugedeckt von grauem Staub breitet sich der alte Mief weiter aus. Das entlehnte, frische Grün, das eilig drum herum gewickelt wurde, beginnt zu bröckeln und abzufallen.
Zu schön waren die bunten Bilder und Visionen, die ein ganzes Jahr lang skizziert wurden. Schon damals fiel den Augen des Kenners auf, dass zu viel Weichzeichner verwendet wurde. Der Harmonie wurde das Reale und Konkrete untergeordnet. Keine konkreten Antworten auf konkrete Fragen, um sich ja alles offen zu lassen.
Nun sind alle ent-täuscht.
Die Täuschungen und Zusagen der übergeordneten Mächte waren die Worte, mit denen sie entsandt wurden, nicht wert. Schnell wurden diese Worte relativiert und zurückgenommen. Engagement wird in ein enges Korsett von Zwängen, Abmachungen und Erpressungen gezwängt. Es bedarf riesiger Anstrengungen, um sich daraus zu befreien und neue, eigene Wege zu gehen.
Strahlende Helden werden zu müden Marionetten an diesen Hundstagen, die Einflüsterer gewinnen Oberhand. Alles anders zu machen, das war der Plan – nur ein neues Mascherl darüber zu binden und von echten Alternativen weiter zu träumen, das ist die Realität.
Vielleicht hilft eine kalte Dusche, um wieder frisch zu werden, oder ein mutiger Sprung in kalte Gewässer. Die Bevölkerung zählt auf den strahlenden mutigen Helden, der mit frischem Wind die wohltuende Frische bringt. Handlungsunfähige Marionetten gibt es schon zu viele. Die Menschen, die noch nicht zu fremdgesteuerten, demotivierten Zombies mutiert sind, brauchen Zeichen des Neubeginns.

Stellt die Ventilatoren an, damit zumindest eine kühle Brise die Hundstage
erträglicher macht.

… nur Gedanken

Es ist Samstagvormittag und ich genieße die ländliche, gemütliche Betriebsamkeit, die an diesem Tag herrscht. Rasenmäher rundum mich erinnern mich daran, dass mein eigener Garten Hilfe von mir braucht. Von weitem hört man das Geräusch fleißiger Traktoren. Wenn ich die Augen schließe und mich in Urlaubsstimmung versetze, erkenne ich darin Motorboote, die am Meer ihre Kreise ziehen. Eine leichte Brise kommt auf und ich trinke die Reste meines Kaffees aus. Ab unter die Dusche, beschließe ich – genug gefaulenzt. Ich drehe den Wasserhahn auf und höre dem Prasseln des Wassers auf meiner Haut zu.

Plötzlich durchbricht ein neues Geräusch die Monotonie des Wassers. Ich drehe die Dusche ab und höre, dass es gellendes Schreien ist, das meine Idylle durchbricht. Beinahe panikartig trockne ich mich notdürftig ab und suche nach „schneller“ Kleidung. Noch während des Suchens ärgere ich mich über mein Tun. Wer so brüllt braucht rasch Hilfe und da muss es doch egal sein, ob ich angezogen bin, oder nicht.
Ich stürze nach unten auf den Balkon und sehe in einem Feld unten, beinahe schon im Talgrund, bereits eine große Menschenansammlung inmitten einer Menge großer Heuballen und Bretter. Ich erinnere mich daran, dass da unten heute ein Stadl eingerissen wird. Ich bin beruhigt, dass bereits so viele Menschen unten sind, aber das ungute Gefühl nichts zu tun, bleibt. Ich beschließe, gegen meinen ersten Reflex, nicht hinunter zu gehen, habe Angst als schaulustig zu gelten, will mich nicht wichtigmachen.

Es werden immer mehr Menschen – Traktoren kommen, ein Polizeiwagen, die Rettung – immer mehr Menschen sammeln sich. Die gemütliche Betriebsamkeit des Morgens weicht einer Gefahr vermeldenden Hektik. Auf der Straße unter unserem Haus bleiben immer wieder Autos stehen, die Menschen steigen aus, schauen hinunter, wechseln ein paar Worte, zucken mit den Schultern, steigen wieder ein und fahren weiter.
Der typische Klang eines Hubschraubers zerschneidet plötzlich die Luft – da ist es bereits, das gelbe Gefährt und landet auf der Wiese, außerhalb meines Sichtfeldes.
Einer der Traktoren, der mit einem Kran aus gestattet ist, schnappt sich Heuballen um Heuballen –Brett um Brett und schlichtet alles um. Stimmen sind keine mehr zu hören. Die Rettung fährt wieder weg, die Polizei fährt wieder weg, der Hubschrauber startet mit unglaublichem Getöse in Richtung Graz.

Ich sehe meinen Nachbarn auf der Straße, der sorgenvoll auf das Feld starrt, ich beschließe ihm Gesellschaft zu leisten. Gemeinsam schauen wir nach unten und fragen uns, was geschehen sei. Beide wollen wir nicht als zu neugierig gelten, aber man kennt sich doch im Ort und sorgt sich umeinander. Vor allem weil man weiß, dass die Kinder der Bauern dort unten immer beim Arbeiten dabei sind.
Es ist nun fast Mittag, meine Nachbarin kommt vom oberen Feld, auch sie hat oben die Schreie gehört und sorgt sich. Wir beschließen Mittag zu machen, wünschen einander „Mahlzeit“, gehen auseinander und wären doch lieber zusammen, bis die Nachricht kommt, was wirklich geschehen ist.

Ich setze mich auf den Balkon und spüre diese entsetzliche Stille, die plötzlich herrscht mit jeder Faser meines Körpers. Kein Vogel zwitschert, kein Rasenmäher ist zu hören –
alles hat inne gehalten. Als die Sirene ertönt, zucke ich zusammen – es wird doch nicht schon wieder etwas passiert sein, erst heute Nacht habe ich sie gehört – nein, es ist nur Samstagmittag und die Sirene übt ein wenig den Ernstfall, sie weiß ja nicht, dass dieser gerade geschehen ist. Noch weiß ich auch nichts, aber das mulmige Gefühl bleibt.

Vor allem das mulmige Gefühl, weil ich nicht sofort Nachschau gehalten habe, ob man mich braucht. Ich ärgere mich über mich selbst, dass ich in den letzten beiden Jahren so feige und zaghaft geworden bin und mich zu einer Wegschauerin entwickelt habe. Mich ärgert, dass man es geschafft hat, dass ich mich nicht mehr einmische und nach Lösungen suche. Mich macht es grantig, dass ich mich verunsichern lasse in meinem Tun und ich hoffe, dass ich das wieder ändern kann, dass mein Mut und meine Kraft mich wieder hinschauen lassen, auch wenn meine Hilfeversuche oft als Einmischung verstanden werden.

Ich bete, dass das, was geschehen ist, ein gutes Ende für alle finden möge und danke allen, die so schnell zu Hilfe gekommen sind.

Ich denke, wir brauchen noch wesentlich mehr Hinschauer als Wegschauer, um Schlimmes verhindern und einander beistehen zu können, auch wenn man in seinem Tun manchmal falsch verstanden wird.

Status vs. Bildung

Aus aktuellem Anlass möchte ich heute einmal über das Thema Kinder und Lernen zu sprechen kommen. Wie viele von euch wissen, bin ich beruflich stark mit dem Thema verbandelt. Ich bin immer wieder verblüfft, wie viel Eltern für ihre Kinder tun, aber welch geringen Stellenwert das Thema Bildung in diesem Zusammenhang hat. Wenn sich ein Kind im Kindergarten oder in der Schule ungerecht behandelt fühlt, ist gleich einmal Feuer am Dach, steht die Entwicklung still, fällt es kaum jemandem auf. Gesunde Ernährung, abwechslungsreiche Freizeitgestaltung, zur Verfügung stehende Materialien und eine nette bauliche Umgebung sind super wichtig, aber die pädagogische Qualität der Betreuung wird selten bis gar nicht hinterfragt.
Tausende von Euros werden für die Bespaßung der Sprösslinge ausgegeben, aber wenn es ums Lernen geht, muss alles gratis sein. Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden Lehrerinnen und Lehrer direkt von den Eltern bezahlt. Das war für viele wirklich ein hart ersparter Brocken, aber wie fast überall gilt scheinbar auch hier das Sprichwort: „Was nix kost‘, is nix wert!“. In meiner Kindheit galten Lehrende noch etwas, und war meine Mutter zu einer Sprechstunde geladen, wurde dort nicht die Lehrerin oder der Lehrer wegen ihrer oder seiner Unfähigkeit beschimpft, sondern ich konnte mir danach etwas anhören, mich auf meinen Hosenboden setzen und lernen. Falls ich es alleine nicht bewerkstelligen konnte, bekam ich um teures Geld jemanden an meine Seite, der mir half – dafür gab es allerdings kein Taschengeld in dieser Zeit. So lernte ich bereits in meiner Jugend, dass das eigene Handeln Konsequenzen hat.
Viele Eltern fühlen sich schuldig, zu wenig Zeit für ihre Kinder zu haben, da das tägliche Leben so viel Geld verschlingt, dass alle ständig arbeiten müssen. Dabei darf man aber nicht übersehen, dass unser Lebensstandard schon recht hoch ist. Argwöhnisch wird das Treiben in Nachbars Garten beobachtet. Neuer Rasenmäher, neuer Griller, neue Terrasse, neues Auto, Gärtner, Putzfrau, langer Urlaub in exotischen Ländern – wenn die das können, muss ich auch. Muss ich das wirklich auch? Bringt das alles wirklich so viel mehr Lebensqualität? Wäre es nicht viel schöner, sich mit seiner Familie zu beschäftigen und über ihre Freuden und Probleme Bescheid zu wissen? Wäre es nicht schöner, das Geld in die Bildung seiner Kinder zu investieren, ihnen Verantwortung, Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken? Lernprobleme von Kindern stellen oft das ganze Familienleben auf den Kopf. Die kurze Freizeit wird zur Qual, Wochenenden existieren nicht mehr – und das alles nur, weil uns die Zeit fehlt, rechtzeitig zu erkennen, dass unsere Kinder Hilfe brauchen und ihnen diese dann auch zeitnah zu ermöglichen.
Das schlechte Gewissen wird oft mit Geschenken kompensiert, das schlechte Familienklima bleibt.
Übrigens ist das schlechte Gewissen unbegründet, auch früher mussten die Frauen in vielen Gesellschaftsschichten hart arbeiten, um ihr Auslangen zu finden. Damals wussten sie aber eines, ihre Kinder würden es einmal besser haben, denn bessere Bildung – höhere Chancen. Und nicht iPhone und du gehörst dazu.
Selbstwert lässt sich nicht durch Warenwert erzeugen, er steigt durch konsequente Bestätigung des eigenen Wissens und Könnens.
Etwas nicht zu können ist keine Schande, es dabei zu belassen aber schon.
Viel Ärger und Streit können wir uns sparen, wenn wir uns von Anfang an für die Bildung unserer Kinder interessieren und die Verantwortung dafür selbst übernehmen.
Schaut wieder einmal in die Hefte und Bücher eurer Kinder und recherchiert, ob sie Hilfe brauchen! Am Zeugnistag ist es zu spät, dann könnt ihr euch den Tadel für schlechte Noten auch gleich sparen.

Der Duft von Kindheit

Ich bin ein wie ein Hund – immer der Nase nach. Daher verbinde ich alle Eindrücke und Erlebnisse sofort mit dem dazu gehörenden Geruch. Ich kann zum Beispiel nie an Lavendel vorbei gehen, ohne an den großen Wäscheschrank meiner Urgroßmutter in diesem ewig langen Vorzimmer zu denken. Meine Kindheit ist mit vielen Bäckerei-Gerüchen und den dazu gehörenden Geschmackserlebnissen verbunden. Ich erinnere mich noch genau an die Rattenfängerqualitäten unserer Nachbarinnen, als wir Kinder waren.
Halb Schlüsselhof und Waldsdorf spielte beim Milchhüttl „Voda leich‘ ma d‘ Scher“ als ein Duft dieses Spiel jäh beendete. Frau Peterbauer zog gerade das frisch gebackene Brot aus dem Ofen. Wie ein Magnet zog uns dieser Geruch an und schürte die Hoffnung auf ein Stückerl dieser knusprigen Köstlichkeit. Wenn sie uns dann noch ein wenig Butter darauf schmierte, war die Seligkeit perfekt.
Wenn die Ribisel reiften, war meine Mutter so eine Rattenfängerin in unserem Weiler. Die Nachbarskinder und wir wurden zur Hilfe gerufen, um diese sauren Beeren zu pflücken und sie in die Küche zu bringen. Ab diesem Moment hielt sich die Lust in den Wald zu laufen in Grenzen und wir spielten erwartungsvoll bei uns im Hof und auf der Terrasse irgendwelche langweiligen Puppenspiele, um ja nicht den großen Moment zu versäumen, wenn die Ribiselschnitten aus dem Ofen kamen. Dieser Duft – und dann der Geschmack…Zuerst der klebrige, süße Schaum, der auf der Zunge schmolz und dann die Explosion, wenn man eine dieser sauren Kugeln zerbiss – einfach nur herrlich. Den Boden brauchte keiner so wirklich, den ließen wir oft heimlich am Misthaufen verschwinden.
Wenn die Winterkälte beim Spiel im Freien in die Knochen fuhr, warteten wir immer schon auf den erlösenden Ruf von Frau Schwar, die uns in der großen Wohnküche dann picksüßen Hagebutten-Tee kredenzte und frischgebackene Krapfen dazu servierte. In einer großen Rein am Herd schwammen diese luftigen Köstlichkeiten in Schweineschmalz und schienen nur auf uns zu warten.
Bei diesen Erinnerungen machte sich bei mir oft Wehmut breit, denn ich dachte, dieser Duft wäre für immer verloren, bis ich die Thaler „Hofbäckerei“ entdeckte.
Diese Bäckerei hat nichts zu tun mit dem eleganten Hoflieferanten aus Graz. Sie liegt versteckt in Thal-Linak in einem Gebäude, das von außen noch nicht sehr einladend aussieht. Beim ersten Mal bin ich daran vorbei gefahren, da auch kein Hinweisschild in irgendeiner Form den Weg weist. Wenn man sich aber traut, den steilen Weg zum Haus hinunter zu marschieren und die Türe zu öffnen, kann man in seine eigene Kindheit eintauchen. In einer Stellage am hinteren Ende des Raums liegen sie, sauber nebeneinander und übereinander gestapelt – riesige Laibe von frischen Bauernbroten und herrlich flaumigen Milchbroten – und erst dieser Duft!
In Steigen warten bereits weitere Leckerbissen auf den Marktverkauf am nächsten Tag. Die immer fröhliche junge Bäckerin und ihr zuvorkommender Mann, sind gerne bereit diese Steigen noch einmal auseinander zu nehmen und die Köstlichkeiten anzubieten. Ganz selbstverständlich und nie grantig schaffen die beiden den Spagat zwischen Kind, Hof, Bäckerei und Markt. Zwischendurch necken sie einander zärtlich, wenn zu viele Kaufende gleichzeitig die Bäckerei betreten und Stress mitbringen.
Rouladen mit verschiedenen Füllungen, Schoko- und Eierlikör Kranz-Kuchen – auch laktosefrei, Apfelkuchen, Topfenkuchen, meine heißgeliebten Ribiselschnitten, Potizen mit Nuss- und Mohnfülle, Schaumrollen, Kekse, Polsterzipf und im Faschig ganz frische Krapfen – alles wartet nur darauf gekostet und als wertvolle Beute mit nach Hause genommen zu werden. Ich könnte mich in diese Gerüche einwickeln, so geborgen fühle ich mich dort. So ist es auch nicht verwunderlich, dass ich gerne noch mit diesen jungen und fleißigen Menschen, die so gar nichts mit der viel bemaulten Generation X zu tun haben, ein Tratscherl halte. Wenn man nur lange genug dort verweilt, bekommt man erst mit, dass es in der Bäckerei noch andere Köstlichkeiten zu erstehen gibt: Ganz frische Eier, herrlich erfrischenden Apfelsaft und vor allem wunderbare Aufstriche, die in Verbindung mit dem frischen Bauernbrot einfach nur satt und zufrieden machen.
Heute ist es wieder so weit, meine Sehnsucht nach Kindheit wird wieder auf’s Schönste befriedigt werden. Allen, die auch ein wenig Auszeit vom Alltag brauchen und in eine andere Welt eintauchen möchten, kann ich nur empfehlen:

Ab zu Linkes nach Thal-Linak. Öffnungszeiten: Jeden Freitag, 15 – 18 Uhr. Bitte nicht früher, das bringt die jungen Leute etwas aus dem Gleichgewicht 😉

Unbequeme Auferstehung!

Nach längerer krankheitsbedingter Abstinenz geht sie heute das erste Mal wieder auf die Straße. Sie ist zwar keine Thalerin, ist aber aus Thal beinahe nicht mehr weg zu denken – Frau Hollerer.
Sie hat einen unermüdlichen Einsatz für die BewohnerInnen der Steinbergstraße und gegen die Deponie. Unerschütterlich sucht sie Plattformen um zu informieren und mobilisieren. Vielen geht die ältere Dame mit ihren postings auf Facebook nur mehr auf die Nerven. Viele schütteln verständnislos den Kopf, wenn sie von allen Themen, über alle erdenklichen Umwege, auf die Deponie in der Haslau kommt. Viele wünschen ihr als Mensch das Beste, hätten aber gerne, dass sie endlich von der Bildfläche verschwindet.
Ich persönlich bewundere diese Dame und ihr Engagement. Sie ist über 70, nicht mehr wirklich gesund, die Deponie berührt sie persönlich nur tangential – und trotzdem wird sie nicht müde auf der Straße in der Kälte zu stehen, um gegen diese entbehrliche Deponie zu demonstrieren. Wir brauchen solche Menschen, denen nicht sofort wieder alles egal ist, die uns Unrecht immer wieder ins Gedächtnis rufen, damit es nicht unter dem Mantel des Schweigens vor sich hin schwelt.
Warum finden wir in der Realität diese Menschen nach kürzester Zeit nur mehr nervig?
Gespannt verfolgen wir ähnliche Geschichten als Spielfilme im Fernsehen. Wir unterstützen die meist weiblichen Aufdeckerinnen von Umweltskandalen mental, bis sie es endlich geschafft haben. Wir würden ihnen mit Freuden dabei behilflich sein, die richtigen AnsprechpartnerInnen ausfindig zu machen und wichtige Papiere für ihre Vorhaben zu finden. Am liebsten wären wir Juristen, die Gesetzeslücken finden, um alles verhindern zu können. Wir warten mit den Protagonisten auf erlösende Anrufe und sind gemeinsam mit ihnen bei Rückschlägen verzweifelt. Am Ende feiern wir den vorprogrammierten Erfolg gemeinsam mit ihnen, verstohlen eine Träne der Rührung aus dem Augenwinkel wischend. Warum immer nur im Film?
In der Realität verschanzen wir uns hinter Gesetzestexten, die ja wohl Recht von Unrecht unterscheiden können und damit basta.
Das muss ja wohl die dümmste Demonstrantin endlich verstehen!
In der Realität verlieren wir in der Flut von Informationen nach kürzester Zeit das Interesse, oder kräht noch irgendein Hahn nach den Umweltsünden in Fukushima? Nein, wir beziehen sogar unseren Fisch wieder aus Fanggebieten, die unweit der Katastrophe liegen.

Solche Menschen wie Frau Hollerer stören uns in unserem Vergessen. Sie schleichen sich unbemerkt durch ihre Wiederholungen in unser Langzeitgedächtnis und rumoren dort immer wieder als kurzes Aufflackern von schlechtem Gewissen. Sie erinnern uns an unser „Floriani-Prinzip-Gedächtnis“, denn was schert uns das Elend anderer? „Gott sei Dank wohnen wir nicht an der Steinbergstraße!“, sollen die nur machen.
Die sind aber zu wenige.
Die brauchen Unterstützung.
Die wollen sich durch einen Bescheid nicht die nächsten Jahre ihre Lebensqualität nehmen lassen.
Die brauchen Menschen wie Frau Hollerer, um den Glauben an Wunder nicht zu verlieren – und Frau Hollerer braucht uns alle.
Uns damit wir ihr Mut zusprechen.
Uns, damit wir eventuell vorhandene Beziehungen spielen lassen.
Uns, damit sie nicht den Glauben an die Menschheit verliert.
Frau Hollerer ist nicht nur eine nervige alte Schachtel, der fad ist.

In Wahrheit ist sie ein Hero vor der eigenen Türe mit einem einzigen Handicap – sie ist nicht so jung und schön, wie Julia Roberts in „Erin Brockovich“.

Einfach zum Nachdenken!

Danke

Danke, dass so viele von euch meine Geschichten lesen.
Danke, dass meine Geschichten so oft geteilt werden.

Danke euch allen, dass ihr heute so zahlreich von eurem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben.

Ich gönne mir nach der ersten Staffel nun eine kleine Pause, um neue Geschichten zu sammeln, die ich euch gerne wieder ab Ostern unter dorfschreiberin.thalbeigraz.at zur Verfügung stellen werde. Ich ziehe in Facebook auf eine eigene Seite um, wo ich kleine Begebenheiten in Kurzform, oder  Bilder aus dem Ort und die Links zu meinen Geschichten posten werde. Ihr findet mich ab sofort unter „Die Dorfschreiberin“.

Nochmals vielen herzlichen Dank
Eure Dorfschreiberin

Wahltag ist Zahltag

Doch wer bezahlt heute wofür?

Zahlen heute die, die die letzten Jahre regiert haben für ihren Stillstand?
Zahlen heute die, die uns die letzten Jahre zum Narren gehalten haben?
Zahlen heute die, die den schlechtesten Wahlkampf geführt haben?
Zahlen heute die, die der Bevölkerung am meisten Infos zugemutet haben?
Zahlen heute die, die eh noch nie was zu sagen hatten und sich auch immer nur kurz vor der Wahl ins Geschehen werfen?
Zahlen heute die, die zu viel Wind gemacht haben?
Zahlen heute die, die ihr grünes Herz nach außen gekehrt haben?
Zahlen heute die, die ideenlos sind?
Zahlen heute die, die zu wenig versprochen haben?
Zahlen heute die, die Missstände aufzeigen, und damit unbequem sind?
Zahlen die, die sehr situationselastisch ausgelegte Wahlversprechen und Berichte der vergangenen Periode ausschicken?
Zahlen heute die, die sich nicht so weit herablassen unter der Gürtellinie zu schießen, weil sie zu wenig Action machen?
Zahlen heute die, die bei Abstimmungen nur die Hand heben, ohne zu hinterfragen, oder zahlen heute die, die die lästig sind?
Zahlen heute die, die unentgeltliches Engagement gezeigt haben, oder die, die bezahlte Ämter haben?

Zahlen können immer nur die, die etwas haben.

Und wir alle haben viel –  nämlich richtig viel zu verlieren, wenn wir es nicht endlich wirklich anpacken!

…den ewig Gestrigen an den Kragen

Sie wollen es nicht kapieren, die „Gestrigen“ der Politik. Längst schon ist ihre Fahrkarte abgelaufen und noch immer können sie es nicht lassen – Schmutzkübelkampagnen!

Sie wühlen in der Vergangenheit der anderen und in deren vermeintlichen Fehlern. Sie zerren uralte Geschichten in die Gegenwart und finden in jeglichem Tun das „Haar in der Suppe.“ Sie weihen die Presse in dubiose Geschichten ein, damit die das Gros der Arbeit übernimmt. Ganz Graz-Umgebung ist schon neidisch auf unser schönes Thal, weil gedacht wird, dass wir in Thal alles dafür tun, um gratis in der Presse zu stehen.
Die Gestrigen denken noch immer, einseitig aufzeigen, schreien und den anderen klein halten sei der richtige Weg
Meine Herrschaften, ist euch noch nicht aufgefallen, dass die neue Generation das nicht mehr will? Die neue Generation von Politikern hat von Jugend an in Teams gearbeitet und ist in Kommunikation geschult. Sie weiß, wie man deeskaliert statt es eskalieren zu lassen. Sie weiß, dass man Gespräche mit der Presse sucht und sie nicht verweigert. Sie will daher arbeiten statt zu streiten.

Viele in diesem schönen Ort werden sich fragen, was ist denn da gestern schon wieder passiert? Gar nichts ist gestern passiert. Einer der alten Streithanseln macht sich zum Hüter der öffentlichen Moral und sogar dem Zeitungsredakteur ist die Geschichte zu unsicher, um sie zu schreiben. Wer sind wir, um über andere zu richten, die sogar ausgeschlossen sind und keine Gegendarstellung bringen können. Es ist halt wieder einmal ein Seitenfüller. Das Posting in Facebook hatte kaum Leser und die, die es gelesen haben, waren eher zurückhaltend in ihrer Begeisterung.

So lasst doch die neue Generation endlich einmal zeigen, was sie so drauf hat, ob es wirklich so gut miteinander geht. Aber aus Erfahrung weiß ich, für gute Ideen braucht es ein Brainstorming ohne Zurückhaltung und das geht einmal nur mit vielen Köpfen, die gemeinsam und nicht gegeneinander arbeiten. Natürlich kann man mir vorwerfen, ich sei eine Harmonisiererin, die von echter, harter Politik keine Ahnung hat, aber ich weiß aus großen Unternehmen, dass ein gutes Arbeitsklima die Basis für Entwicklung ist. Wer nicht konstruktiv mitarbeiten will, soll draußen bleiben. Die Sesselkleber, die nur ihre eigenen Pfründe sichern möchten, haben in modernen Unternehmen, wie es auch Gemeinden werden sollen, einfach keinen Platz mehr.
Natürlich will morgen jede Partei gewinnen, aber es ist die Frage, wie sie mit den Verlierern umgeht.

Empathie, Rücksichtnahme und Engagement sind für mich die Zauberworte für ein gutes Klima in der Politik.

Lasst euch nicht verunsichern von einem Querschläger, Thal ist auf einem guten Weg!

Tagträumereien

Wir haben, da sind sich plötzlich alle einig, ein Kleinod in Thal, das aus dem Dornröschenschlaf erweckt werden soll – den Thalersee. Das ehemalige Gasthaus Kling wurde an die Holding verkauft und wie heute in der Zeitung ersichtlich, ist auch Graz bisher wieder einmal fantasielos in der Planung.
Ich träume manchmal, wenn ich an seinen Ufern umherschlendere, dass hier einfach nichts passiert. Ich liebe diesen verschlafenen Platz und es wird immer ruhiger hier.
Aber schnell schleicht sich in diese Tagträume das schlechte Gewissen über meinen Egoismus und dann träume ich schnell etwas anderes, denn Thal braucht dringend eine Ölquelle –  wirklich wichtige Ausgaben vor allem für unsere Kinder stehen an.
Aber das Warten auf die Bedarfszuweisungen für Gemeinden ist für mich so ähnlich wie das Beziehen von Mindestsicherung bei Menschen. Es ist unangenehm, unsicher und unbefriedigend. Es muss doch noch etwas anderes geben!
Manchmal zum Beispiel träume ich dann von einem REHA-Zentrum in dieser Umgebung, vielleicht sogar einem REHA-Zentrum für Kinder nach einer Krebserkrankung, so etwas gibt es (meines Wissens)  nämlich in ganz Österreich bisher nicht. Die Kleinen werden bisher zusammen mit den Großen therapiert und das ist für sie oft gar nicht schön und lustig. Die Natur um unseren See würde wohl einiges zur vollständigen Genesung beitragen können.
Angedacht ist so ein Zentrum für Salzburg, aber noch nicht realisiert – warum also nicht Thal als Standort attraktiv machen?
An dieses Zentrum könnte man auch ein Gesundheitszentrum anschließen, wo wir alle ThalerInnen, die in diesem Bereich arbeiten einladen könnten, dort gemeinsam ihre Synergien zu nutzen. Gemeinsam nutzen könnte man dort auch Behandlungsräume, Besprechungsräume und Seminarräume, die Administration und das Areal rund um den See. Es gibt in Thal PhysiotherapeutInnen, Human-, Tier- und RaumenergetikerInnen, Coaches, Lebens- und SozialberaterInnen, PsychotherapeutInnen, ErnährungsberaterInnen, Bewegungscoaches, und noch viele mehr. Die meisten sind noch gar nicht bekannt im Ort und das ist schade, denn sie können vieles bewirken. Vom gesamten Zentrum könnten wir zusätzlich profitieren – Hotellerie, Gastronomie, ein Kaufmann, engere Abstände im Busfahrplan, die Sanierung des Sees,… – all das bringt Nutzen und Einnahmen für die Gemeinde.
Der Kaufmann könnte vor allem mit Produkten aus der Region bestückt werden, da denke ich nicht nur an Thal, sondern an die Region der ehemaligen 10 vor Graz. Unsere unzähligen KunsthandwerkerInnen könnten dort auch ihre Produkte vermarkten. Vielleicht kann in diesem Zentrum auch ein Seminarraum in Form einer Werkstatt eingerichtet werden, wo es Workshops von unseren KünstlerInnen geben könnte. Auch manuelle Tätigkeiten halten Körper, Geist und Seele gesund und ziehen Touristen und Seminarbegeisterte an.
Es wäre natürlich ein Riesenprojekt, das Thal selbst vor allem Zeit und viel Verhandlungsgeschick kosten würde. Es wäre natürlich auch ein Riesenaufwand, man müsste mit vielen verhandeln, Träger finden, Sponsoren auftreiben, Charity-Veranstaltungen anleiern, sich bei der Presse äußerst gut verkaufen, mit den Nachbargemeinden eine gute Arbeitsbasis schaffen, und-und und.
Aber wäre so ein Projekt nicht viel nachhaltiger und schöner als Baurestmassendeponien, die nur dem Ansehen schaden und wieder nichts bringen?
So ein Projekt würde eine Schlafgemeinde auch nicht wirklich stören, die Luftqualität leidet nicht, der Verkehr würde nicht durch den Ort fließen, wer will, kann so weiter leben wie bisher – der Lärmpegel würde allerdings steigen – denn Kinder lachen nun mal nicht leise.
Das wäre ein Projekt, das der beste Bürgermeister nicht alleine stemmen kann, da müssen wirklich alle zusammenarbeiten. Da sind die Kompetenzen und Netzwerke von uns allen gefragt. Aber mit so einem (oder überhaupt einem) Projekt können wir uns wieder das Beste für unsere Kinder selber leisten.
Wirtschaftlich härtere Zeiten verlangen Kreativität, Engagement und Zusammenhalt von uns allen.
GEMEINSAM können wir aus Visionen Realität entstehen lassen.

„Jakobi – Kirtag is!“

Am 19. Juli ist es wieder einmal soweit! Kirtag ist in Thal.

In vielen Gemeinden ist so ein Kirtag das Ereignis des Jahres. Die Lederhosen und Dirndln werden herausgeholt, man putzt sich auf und poliert sein schönstes Lächeln.
Der Thaler Kirtag könnt noch ein paar Besucherinnen und Besucher mehr vertragen.

Sämtliche Thaler Vereine arbeiten wochenlang daran, um den Thalerinnen und Thalern ein unvergessliches Erlebnis zu bieten. Die Damen des Pfarrcafés backen Herzerln und verzieren diese in tagelanger, liebevoller Handarbeit mit Blüten und Sprüchen, die sie neben hausgemachten Mehlspeisen feilbieten. Die Jaga haben einen Schießstand, wo jeder seine Treffgenauigkeit überprüfen und sich danach bei einer guten Jause stärken kann. Die Perchten stellen ihre schaurig schönen Masken und Kostüme aus und bieten frisch geräucherte Forellen als lukullischen Genuss. Der Sportverein lässt sich immer neue Schmankerln einfallen, um euch alle zu verwöhnen. Die Sternthaler haben jedes Jahr eine neue kreative Idee, um euch zu erfreuen und die Alkoblitzer bieten ein ganzes Paket an Überraschungen für Groß und Klein bis hin zu einem Konzert zu späterer Stunde.
Die Marktmusikkapelle stellt unermüdlich ihr großes Repertoire und Können unter Beweis.
Es gibt auch immer etwas zu gewinnen, aber ein Gewinn ist der Kirtag in jedem Fall.
An der Straße zum Kirchberg hinauf kann man Spezialitäten der Region verköstigen und Traktoren und Moperln aus längst vergangenen Zeiten bestaunen. Auch Strahlung kann man messen lassen und sich vom Elternverein etwas Gutes holen. Die Eisschützen laden ein, sich in ihrer Disziplin einmal zu versuchen. Sollte ich einen Verein vergessen haben, ist das nur passiert, weil das Angebot so groß ist. (Ich entschuldige mich aber bereits im Vorhinein, falls es wirklich passiert ist.)
Den Auftakt macht natürlich die Hl. Messe, die unser Pfarrer Karl Niederer hält, der sich danach auf unterhaltsame Weise unters „Volk“ mischt.
Was mir eventuell ein bisserl fehlt ist ein klassisches Standl mit Zuckerwatte und dass unsere unzähligen KunsthandwerkerInnen ihre Waren offerieren und vielleicht auch noch, dass unsere Mundwerkerin uns Geschichten erzählt – aber sonst? Falls euch noch was abgeht, bringt eure Anregungen gerne ein.
In den letzten Jahren war es manchmal eine unsichere Geschichte – absagen oder nicht? Das Wetter wollte nicht so ganz mitspielen.

Aber heuer wird’s sicher was, ich spür es genau! Dann können wir zeigen, wie gut Thal zusammenhält und gemeinsam was Großartiges auf die Beine stellt und wie gut wir gemeinsam ein wunderbares Fest feiern können, ohne Neid und „Hacklwerfen“.
Und dann laden wir die Presse ein, damit sie sieht, dass Thal kein gespaltener Ort ist mit schlechten Schlagzeilen, sondern ein verbundener Ort, der dann vermutlich leider nicht einmal mehr eine Schlagzeile wert ist.

Kommt doch alle, wenn es wieder heißt: „Jakobi-Kirtag is!“ – es is echt a große Gaude!