Kategorie-Archiv: Die Dorfschreiberin schreibt..

Eine Hand wird mir gereicht…

Lange habe ich nichts mehr gesagt zu Themen, die viele bewegen. Auf meiner Facebookseite konnte ich sehen, dass viele ungeduldig auf Geschichten von mir gewartet haben. Aber wer dauernd spricht, wird nicht mehr gehört. Nun ist es für mich wieder an der Zeit ein paar Worte zu verfassen.

Nächste Woche am Sonntag ist die Stichwahl für einen neuen Bundespräsidenten. Noch nie hat eine Bundespräsidentenwahl so viel Staub aufgewirbelt. Die zwei Kandidaten sind übrig geblieben, die verschiedener nicht sein könnten. Ich meine dabei nicht ihr Alter, sondern ihre Standpunkte und die Art, mit der sie diese vertreten.
Der eine, der die Ängste der Bevölkerung scheinbar besser versteht, mit diesen Ängsten anstandslos spielt und sie noch zusätzlich laut und deutlich schürt und der andere, der sich ein bisserl schwerer tut, dem Volk mit leiseren Tönen zu vermitteln, dass auch er es versteht und Österreich wieder zu einer Heimat für alle Österreicherinnen und Österreicher machen möchte.

Ich habe die Parteipolitik in einer Ecke geparkt, da Parteien in diesen Zeiten des Umbruchs wenig Bedeutung für mich haben. Politik hingegen, über alle Farben hinweg, ist so wichtig wie nie.
Das letzte Jahr hat gezeigt, wieviel eine Bevölkerung zu leisten im Stande ist, wenn sie von der Führung eines Staates im Stich gelassen wird – und sie hat viel geleistet. Nun ist die Bevölkerung ein wenig müde geworden und ruft nach einer starken Hand, die sie stützt.

Nur wessen Hand möchte ich zur Unterstützung gerne haben?
Ist es die Hand, die vor lauter Angst, mich nicht stützen zu können, die Türen schließt und mir die Sicht nach draußen nimmt? Die Hand, die mir klar macht, was ich zu denken habe und Feindbilder in mir aufbaut? Die Hand, die nach All-Macht strebt, um alles, was anders ist, zu eliminieren? Die Hand, die mich ängstlich und klein macht, weil sie mir alles, was von außen kommt, ganz groß und bedrohlich zeichnet? Die Hand, die Rückschritte zulässt, um Fortschritte zu verhindern?

…oder ist es für mich die Hand, die Türen aufmacht, weil sie weiß, dass meine Wurzeln stark genug sind, um mit Neuem sicher umzugehen? Die Hand, die so viel Vertrauen in mich hat, um mich loszulassen, damit ich eigenständige Wege gehen kann? Die Hand, die weiß, dass ihre eigene Macht begrenzt ist, damit so etwas wie Weltherrschaft nicht mehr geschehen kann? Die Hand, die mir, wenn ich stolpere, auch mal den ganzen Arm reicht und mich so lange unterstützt, bis ich wieder gehen kann? Die Hand, die mit Erfahrung und Weitblick meine Geschicke leitet und weiß, dass die Mitte oft golden ist?

Jede und jeder von uns ist nun aufgefordert, die Hand zu wählen, die die persönlich notwendige Unterstützung gewährleistet.
Wählt weise und umsichtig. Wählt, wen ihr braucht.

Aber macht eines auf jeden Fall – macht von eurem kostbaren Recht zu wählen Gebrauch!

Virtuelle Nachtschwärmer-Bar

Vorige Woche, in einer schlaflosen Nacht, hat sich spontan, als die meisten Gehsteige bereits hoch geklappt waren, eine kleine virtuelle Nachtschwärmer-Bar in Facebook gebildet. Auf einer Facebook-Seite , wo sich normalerweise ernste Themen zur Diskussion stellen und das Neueste aus Thal verlautbart wird, hat ein Artikel aus der kleinen Zeitung und ein nicht dazu gehörendes Posting unserer geschätzten Deponie-Gegner-Amazone ein paar schlaflose Menschen zu einem irrwitzigen Brainstorming-Marathon über Thaler Entwicklungsmöglichkeiten inspiriert. (Nachzulesen in der Gruppe friends of Thal bei Graz).

Ein wenig Alkohol wird wohl auch im Spiel gewesen sein, als die Ideen geboren wurden, aber vor allem viel Ironie und zeitweise sogar Sarkasmus. Es wurde philosophiert von Autobahnzubringern, die über Thal-Eben geführt werden, um die Steinbergstraße zu entlasten, für den dann Maut eingehoben werden könnte. Tunnel, um die Engstellen der Thalerseestraße zu entschärfen (und um Maut zu kassieren), damit die Baurestmassen oder sogar teuer bezahlter Sondermüll im Becken des Sees besser entsorgt werden können. Auf dieser Schüttung hätten dann auch bequem ein neues Gemeindezentrum samt Schule und Kindergarten Platz. An den Ufern des Sees wäre wohl auch ein von der Gemeinde betriebenes Laufhaus mit angeschlossener Bauerndisco eine Option, um Gelder in die Gemeinde Kasse zu bringen. Sollte dieses Objekt von der Stadt Graz allerdings nicht zur Verfügung gestellt werden, wäre auch das Industriegrundstück an der Steinbergstraße dafür geeignet – das würde dann allerdings wieder den Unmut der Bewohner der selben auf das Projekt ziehen, da sich vermutlich der „Verkehr“ verdoppeln würde.

Auch von einer Eingemeindung Göstings wurde gesprochen, um LKWs besser durch Thal führen zu können (und Maut zu verlangen). Die gesamte Diskussion umfasste übrigens über 500 Postings.

Natürlich war keine der Ideen ernst gemeint, aber die ganze Diskussion zeigt eines sehr gut – die Leute wünschen sich Ideen, die Geld bringen und nicht nur kosten – und es gibt kreative Geister in dieser Gemeinde, die in richtige Bahnen gelenkt, durchaus einiges zuwege bringen könnten.

Der Großteil der Bevölkerung durchschaut populistische Versprechen, die gut und schön klingen, aber niemals finanzierbar sind.

Monopoly spielt man mit Spielgeld am Spielbrett  und nicht mit Steuer-Geldern in Gemeinden.