Unbequeme Auferstehung!

Nach längerer krankheitsbedingter Abstinenz geht sie heute das erste Mal wieder auf die Straße. Sie ist zwar keine Thalerin, ist aber aus Thal beinahe nicht mehr weg zu denken – Frau Hollerer.
Sie hat einen unermüdlichen Einsatz für die BewohnerInnen der Steinbergstraße und gegen die Deponie. Unerschütterlich sucht sie Plattformen um zu informieren und mobilisieren. Vielen geht die ältere Dame mit ihren postings auf Facebook nur mehr auf die Nerven. Viele schütteln verständnislos den Kopf, wenn sie von allen Themen, über alle erdenklichen Umwege, auf die Deponie in der Haslau kommt. Viele wünschen ihr als Mensch das Beste, hätten aber gerne, dass sie endlich von der Bildfläche verschwindet.
Ich persönlich bewundere diese Dame und ihr Engagement. Sie ist über 70, nicht mehr wirklich gesund, die Deponie berührt sie persönlich nur tangential – und trotzdem wird sie nicht müde auf der Straße in der Kälte zu stehen, um gegen diese entbehrliche Deponie zu demonstrieren. Wir brauchen solche Menschen, denen nicht sofort wieder alles egal ist, die uns Unrecht immer wieder ins Gedächtnis rufen, damit es nicht unter dem Mantel des Schweigens vor sich hin schwelt.
Warum finden wir in der Realität diese Menschen nach kürzester Zeit nur mehr nervig?
Gespannt verfolgen wir ähnliche Geschichten als Spielfilme im Fernsehen. Wir unterstützen die meist weiblichen Aufdeckerinnen von Umweltskandalen mental, bis sie es endlich geschafft haben. Wir würden ihnen mit Freuden dabei behilflich sein, die richtigen AnsprechpartnerInnen ausfindig zu machen und wichtige Papiere für ihre Vorhaben zu finden. Am liebsten wären wir Juristen, die Gesetzeslücken finden, um alles verhindern zu können. Wir warten mit den Protagonisten auf erlösende Anrufe und sind gemeinsam mit ihnen bei Rückschlägen verzweifelt. Am Ende feiern wir den vorprogrammierten Erfolg gemeinsam mit ihnen, verstohlen eine Träne der Rührung aus dem Augenwinkel wischend. Warum immer nur im Film?
In der Realität verschanzen wir uns hinter Gesetzestexten, die ja wohl Recht von Unrecht unterscheiden können und damit basta.
Das muss ja wohl die dümmste Demonstrantin endlich verstehen!
In der Realität verlieren wir in der Flut von Informationen nach kürzester Zeit das Interesse, oder kräht noch irgendein Hahn nach den Umweltsünden in Fukushima? Nein, wir beziehen sogar unseren Fisch wieder aus Fanggebieten, die unweit der Katastrophe liegen.

Solche Menschen wie Frau Hollerer stören uns in unserem Vergessen. Sie schleichen sich unbemerkt durch ihre Wiederholungen in unser Langzeitgedächtnis und rumoren dort immer wieder als kurzes Aufflackern von schlechtem Gewissen. Sie erinnern uns an unser „Floriani-Prinzip-Gedächtnis“, denn was schert uns das Elend anderer? „Gott sei Dank wohnen wir nicht an der Steinbergstraße!“, sollen die nur machen.
Die sind aber zu wenige.
Die brauchen Unterstützung.
Die wollen sich durch einen Bescheid nicht die nächsten Jahre ihre Lebensqualität nehmen lassen.
Die brauchen Menschen wie Frau Hollerer, um den Glauben an Wunder nicht zu verlieren – und Frau Hollerer braucht uns alle.
Uns damit wir ihr Mut zusprechen.
Uns, damit wir eventuell vorhandene Beziehungen spielen lassen.
Uns, damit sie nicht den Glauben an die Menschheit verliert.
Frau Hollerer ist nicht nur eine nervige alte Schachtel, der fad ist.

In Wahrheit ist sie ein Hero vor der eigenen Türe mit einem einzigen Handicap – sie ist nicht so jung und schön, wie Julia Roberts in „Erin Brockovich“.

Einfach zum Nachdenken!

2 Gedanken zu „Unbequeme Auferstehung!

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