„Jakobi – Kirtag is!“

Am 19. Juli ist es wieder einmal soweit! Kirtag ist in Thal.

In vielen Gemeinden ist so ein Kirtag das Ereignis des Jahres. Die Lederhosen und Dirndln werden herausgeholt, man putzt sich auf und poliert sein schönstes Lächeln.
Der Thaler Kirtag könnt noch ein paar Besucherinnen und Besucher mehr vertragen.

Sämtliche Thaler Vereine arbeiten wochenlang daran, um den Thalerinnen und Thalern ein unvergessliches Erlebnis zu bieten. Die Damen des Pfarrcafés backen Herzerln und verzieren diese in tagelanger, liebevoller Handarbeit mit Blüten und Sprüchen, die sie neben hausgemachten Mehlspeisen feilbieten. Die Jaga haben einen Schießstand, wo jeder seine Treffgenauigkeit überprüfen und sich danach bei einer guten Jause stärken kann. Die Perchten stellen ihre schaurig schönen Masken und Kostüme aus und bieten frisch geräucherte Forellen als lukullischen Genuss. Der Sportverein lässt sich immer neue Schmankerln einfallen, um euch alle zu verwöhnen. Die Sternthaler haben jedes Jahr eine neue kreative Idee, um euch zu erfreuen und die Alkoblitzer bieten ein ganzes Paket an Überraschungen für Groß und Klein bis hin zu einem Konzert zu späterer Stunde.
Die Marktmusikkapelle stellt unermüdlich ihr großes Repertoire und Können unter Beweis.
Es gibt auch immer etwas zu gewinnen, aber ein Gewinn ist der Kirtag in jedem Fall.
An der Straße zum Kirchberg hinauf kann man Spezialitäten der Region verköstigen und Traktoren und Moperln aus längst vergangenen Zeiten bestaunen. Auch Strahlung kann man messen lassen und sich vom Elternverein etwas Gutes holen. Die Eisschützen laden ein, sich in ihrer Disziplin einmal zu versuchen. Sollte ich einen Verein vergessen haben, ist das nur passiert, weil das Angebot so groß ist. (Ich entschuldige mich aber bereits im Vorhinein, falls es wirklich passiert ist.)
Den Auftakt macht natürlich die Hl. Messe, die unser Pfarrer Karl Niederer hält, der sich danach auf unterhaltsame Weise unters „Volk“ mischt.
Was mir eventuell ein bisserl fehlt ist ein klassisches Standl mit Zuckerwatte und dass unsere unzähligen KunsthandwerkerInnen ihre Waren offerieren und vielleicht auch noch, dass unsere Mundwerkerin uns Geschichten erzählt – aber sonst? Falls euch noch was abgeht, bringt eure Anregungen gerne ein.
In den letzten Jahren war es manchmal eine unsichere Geschichte – absagen oder nicht? Das Wetter wollte nicht so ganz mitspielen.

Aber heuer wird’s sicher was, ich spür es genau! Dann können wir zeigen, wie gut Thal zusammenhält und gemeinsam was Großartiges auf die Beine stellt und wie gut wir gemeinsam ein wunderbares Fest feiern können, ohne Neid und „Hacklwerfen“.
Und dann laden wir die Presse ein, damit sie sieht, dass Thal kein gespaltener Ort ist mit schlechten Schlagzeilen, sondern ein verbundener Ort, der dann vermutlich leider nicht einmal mehr eine Schlagzeile wert ist.

Kommt doch alle, wenn es wieder heißt: „Jakobi-Kirtag is!“ – es is echt a große Gaude!

Da Wind waht über’s Land

Jetzt hat es wohl schon jeder mitbekommen, ein frischer Wind fegt durch das T(h)al.
Was hat er mitgebracht, der frische Wind, außer einer Flut von Plakaten?

Das Klima ist etwas rauer geworden. Das Alte wehrt sich, rüstet auf und macht die Luken dicht –  es ist beleidigt.
Was will der frische Wind? Will er das Klima nachhaltig verändern?
Wo bleibt die Wärme und Sonne, die dafür notwendig ist? Was wird wirklich gemacht, um die Menschen einander näher zu bringen? Welche konkreten Verbesserungen wird er uns bringen? Sind die neuen Versprechungen, mit denen er uns lockt, wirklich so viel besser als die alten?
Er hat bisher keine wirklich neuen Ideen gebracht, der frische Wind, sondern nur Varianten der alten, bisher noch nie umgesetzten. Was, wenn der frische Wind zu einem (f)lauen Lüfterl wird, wenn er den Bann gebrochen hat?

Wir brauchen keinen frischen Wind, wir brauchen nachhaltig gute Luft, um Veränderungen zu bewirken. Wir brauchen gute Luft im Gemeinderat, damit jeder atmen kann und seine Ideen auch einbringt. Wir brauchen gute Luft, damit die Kinder einen freien Kopf für Bildung haben. Wir brauchen gute Luft, damit die Eltern unbesorgt arbeiten können, und ihre Kinder gut versorgt wissen. Wir brauchen gute Luft, damit die alten Leute nicht vergessen werden. Wir brauchen gute Luft, damit Begegnungen wieder harmonisch ablaufen können. Wir brauchen gute Luft, damit auch Frauen den Mut fassen ihre Meinung zu sagen. Wir brauchen gute Luft, damit die Jugend im Ort bleiben kann. Wir brauchen gute Luft, damit die Bauern eine Chance haben. Wir brauchen gute Luft, damit sich etablierte Unternehmen halten und neue dazu kommen.
Wir brauchen gute Luft, damit Parteien keine Rolle spielen. Wir brauchen gute Luft, damit Engagement zum Zug kommen kann. Wir brauchen gute Luft, damit Freunderlwirtschaft abgeschafft wird und nicht einfach alte Freunde durch neue ersetzt werden.

Der frische Wind hat alles durcheinander gewirbelt, er hat auch viel Staub aufgewirbelt. Kann er die Wogen auch wieder glätten, oder lässt er uns, falls ihm das Ergebnis seiner Bemühungen nicht gefällt, im Regen stehen?

Ich denke, wir brauchen nicht nur frischen Wind, wir brauchen einen echten Klimawandel im T(h)al.

Vorstadtweiber

Die erste Staffel der Vorstadtweiber ist vorbei und ganz Österreich weiß jetzt, wie diese Spezies tickt. Sie vögeln sich durch den Bekanntenkreis, vergenusswurzeln Minderjährige und lassen sich von ihnen auch gleich schwängern. Sie dealen mit gefakten Designerklamotten, steigen von der Ex-Frau des einen, zur Geliebten des anderen auf, kompensieren Naivität mit Eierlikör und haben in ihren Reihen natürlich eine Anwältin, die sie aus allen peinlichen Situationen befreit. Schade, und ich hatte mich schon so auf diese Serie gefreut. Denn es gibt sie wirklich, die Spezies der Vorstadtfrauen, die von der Stadt in den Speckgürtel drum herum gezogen sind.

Einige davon haben auch durchaus Ähnlichkeiten mit den Serienweibern: Sie leben oft in großen, modernen Häusern und fahren meist kleine schicke Autos. Wenn sie allerdings ihre beschwipsten Männer von Festerln nachhause kutschieren, dürfen sie den großen Wagen nehmen – ausnahmsweise.
Das Wichtigste ist, für die Männerwelt attraktiv zu bleiben. Daher –  auch mit beinahe 50 oder knapp drüber wird Size Zero angestrebt. Sie walken und rennen in der Gegend herum, sie quälen sich mit Low Carb oder hungern ab 16 Uhr und trotzdem gewinnen sie den Kampf gegen das Altern oder die jungen Geliebten selten wirklich, sondern nur scheinbar. Und der knackige Gärtner ist wohl nur eine Serienversprechung.
Aber die Devise lautet: „Alles ist gut!“, auch wenn das Unglück eigentlich nur so aus einem herausfließen möchte. Die Fassade wird aufrechterhalten: Probleme gibt es nicht! Die Kinder sind klug, die Liebe ist groß, das Geld fließt reichlich, eifersüchtig sind nur die anderen und gesprochen wird über Belanglosigkeiten, auch wenn ihnen gar nichts mehr einfällt.
Bevor es ganz fad wird, kann man ja noch Partys schmeißen – das Angebot ist riesig: Tupper-, Kerzen-, Schmuck-, Dessous-, Dildo- und Putztuchpartys fallen mir da so ganz spontan ein. Klasse, oder? Und was, wenn das Repertoire durch ist? Dann sind da ja Gott sei Dank noch die Geburtstagspartys – jede Woche mindestens eine, in manchen Monaten gleich so viele, dass man sie besser als Sternzeichenfest gemeinsam feiern  sollte. Ganz wichtig bei diesen Partys ist es zu beweisen, dass man noch besser ist als die vorige Kandidatin. Das Buffet ist schöner, Prosecco wird gegen Champagner getauscht, das Lächeln ist noch wesentlich glücklicher und der Body besser geformt – und der wird dann in Tanzeinlagen gnadenlos zur Schau gestellt.

Aber es gibt da auch noch die anderen Frauen in der Vorstadt. Diejenigen, die zugeben, dass sie sich zersprageln zwischen Job, Kindern, Haus und Garten. Die sich zusammen tun und gemeinsam versuchen, alles unter einen Hut zu bringen, wie zum Beispiel das ständige „Holen“ der Kinder, weil diese den Bus wieder einmal versäumt haben. Diejenigen, die eigentlich das goldene Taxi-Schild verdient hätten, weil das Geld für ein weiteres Auto nicht reicht. Diejenigen, deren Kinder nicht immer „funktionieren“.
Die, die aussteigen aus dem Fassadenwahnsinn und miteinander Dinge besprechen, die ihnen wirklich wichtig sind und die auch echte Gefühle zeigen. Die Frauen, die sich wehren, gegen den Freizeitstress, die mit Freude älter werden können und nicht mit den eigenen Kindern in Konkurrenz treten, die High Heels gegen bequemes Schuhwerk tauschen, die Befriedigung in ihrer eigenen Kreativität finden und die manchmal einfach nur gerne einen „Bad Hair Day“ mit sich alleine feiern. Diejenigen, die in sich ruhen und hier leben, weil sie die Natur lieben.  Die, die sich aber ab- und zu nach ein bisserl Kultur und Abwechslung sehnen.
Das ist die weitaus größere Gruppe der Vorstadtfrauen, die, die nicht bei allen beliebt, sondern von einigen wenigen ehrlich und offen geliebt sein möchte – und mit diesen Menschen feiert sie dann gerne ihren Geburtstag, auch wenn er jenseits der 50 liegt und sich das Hüftgold sanft anlegt. Denn diese Frauen sind selbstbewusst und leben ihr Leben und stellen nicht irgendeines zur Schau.

Wehrt euch gegen das Vorstadtweiber–Image, wir sind besser als unser Ruf!

Bei der Spatenstichfeier oder-

–was lange währt wird endlich gut?

Jetzt ist es endlich so weit, der Hochwasserschutz für Unterthal wird gebaut. Mitten in die unberührte Landschaft des Erlenbachs wird ein 4m hoher Damm gebaut. Lange und zähe Verhandlungen mit öffentlichen Körperschaften und Grundstückseigentümern wurden im Vorfeld geführt. Ein Projekt, das doch ach so wichtig für unser schönes Thal ist. Es hat wohl Bedeutung für einige Menschen in Thal, die in manchen Sommern schwimmen, aber es ist wohl vor allem Graz, das diesen Bau benötigt. (Das kam auch in den Reden der Politikerinnen aus Graz und dem Land Steiermark heraus.)
Viele der Grundstücke wurden von Bauern geopfert, die selbst von dieser Maßnahme gar nichts haben und die Gründe zu Spottpreisen abgaben. Die Ablösen derer, die die Nutznießer dieser Maßnahme sind, waren oft viel höher, da es sich um Baugründe handelt.

Schade, dass die Solidarität, die von den Gebern gefordert wurde, nicht auch von den Nehmern aufgebracht wurde. Sie hätten ja ihre Ablösen zur Verfügung stellen und man hätte einen Mittelwert berechnen können – für alle gleich – solidarisch eben.

Vor allem, da die betroffenen Baugründe ja nicht plötzlich schwimmen, sondern von je her feuchte Wiesen waren. Feuchte Wiesen, die damals zu einem Spottpreis verhökert worden sind. Feuchte Wiesen, die plötzlich zu Baugründen umgewidmet wurden. Feuchte Wiesen, wo nie hätten Keller gebaut werden dürfen. Aber Schwamm drüber, jetzt werden ja die Fehler der Vergangenheit um teures Geld behoben und die Gemeinde bekommt nun auch trockenen Grund und Boden, wo neue Projekte möglich sind, die wir uns nicht leisten können.

Vielleicht bekommen wir jetzt aber auch nur endlich das Denkmal für unseren verdienten Bürgermeister – den P. Schickhofer-Damm. (Aber werden Denkmäler eigentlich nicht nur ehemaligen Politikern gesetzt?)

Ach ja, wenig Leute waren bei der Spatenstichfeier.
Wo waren die dankbaren Bürger, die sich schon so über diese Maßnahme freuen?
Wo bleiben die Einkäufer, wenn es den ersehnten Kaufmann gibt?
Wo sind die Leute immer, die etwas möchten, wenn es dann endlich da ist?

Was zu lange währt, wird nie mehr gut oder – was endlich da ist, interessiert keinen mehr?

Der Mörder ist nicht immer der Gärtner

„Jetzt ist es schon wieder passiert“, so fangen nicht nur die beliebten Brenner Krimis von Wolf Haas an, sondern auch die ganz besonderen Krimis aus Thal.

Nachts, wenn alle schlafen, schleicht sie sich durch die Ritzen der abgelegenen Nebengebäude. Es ist eine skrupellose Trieb-Serien-Täter-Bande, die da ihr Unwesen treibt, unberechenbar und schwer zu erwischen. Profiler aus 3 Revieren nehmen ihr Verhalten genau unter die Lupe. Vorige Woche mussten alleine in Thal Linak 25 arme Seelen ihr Leben lassen und davor einige auch in Winkel und Eben – Legehennen, gemeuchelt von Füchsen

Nun tritt der Opferschutzverein auf den Plan, der Ruf nach gerechter Vergeltung wird laut. Wo sind sie, die Jäger, wenn man sie braucht?
Aber ist nicht jeder Täter auch Opfer, werden sich die Tierschützer fragen?
Ist das vielleicht nur die Vergeltung für die vielen Fasane, die Jahr für Jahr im Schlossrevier ihr Leben lassen müssen?

In letzter Zeit kämpft die Jägerschaft in Thal mit ihrem Image. Zu viel wurde über sie geredet und geschrieben. Sie seien willkürlich, hätten nur Lust am Töten und wären der Feind der Mountainbiker. Vielen ist das Verhalten der Jäger unbegreiflich, vor allem denjenigen, die Tiere nur aus dem Streichelzoo kennen. Vieles an der Jagd hat Traditionen und Rituale, die Außenstehenden seltsam anmuten, so wie sie die meisten alten Berufsstände haben.

Wer so einen Jäger im Haus hat weiß, dass es nicht die Lust am Töten ist, die sie nachts nicht schlafen lässt und selbst bei eisiger Kälte auf die Hochsitze treibt. Es ist die Beobachtung des Reviers. Es ist das Studium der Verhaltensweisen, um kranke Tiere heraus zu finden und es ist die Verpflichtung den Bauern gegenüber, Tiere und Kulturen zu schützen, die mit der Pacht der Gemeindejagd einhergeht.
Nicht die Jäger sind der Feind des Wildes, sondern es ist die Freizeitgesellschaft. Die Natur sollte jedem von uns zugänglich sein, aber mit Maß, Ziel und Achtsamkeit. Wir würden uns wohl alle schön bedanken, wenn Walker, Biker und Wanderer scharenweise lärmend durch unsere Vorgärten trampeln, statt sich an die Wege zu halten, nur weil es bei uns im Garten einfach schöner und interessanter ist.

Ich denke, unsere Gemeindejäger arbeiten sorgsam und haben im Moment sogar die Chance zu Superhelden zu werden, wenn sie die Legehennen-Bande zur Strecke bringen , damit niemand mehr sagen kann:

„Jetzt ist es schon wieder passiert…“

Nachtrag: Der Kopf der Bande wurde mittlerweile lebendig gefasst.

Don Camillo und Peppone

Wer kann sich noch an die köstlichen Spielfilme erinnern, die uns so manche Samstagnachmittage begleitet haben. Don Camillo und Peppone sind die Hauptfiguren vieler Erzählungen und mehrerer Romane von Giovannino Guareschi und einiger Spielfilme. Sie skizzieren das ländliche Italien kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die frühen 1960er Jahre. (wikipedia)
Thal kann sich glücklich schätzen die beiden hier im Ort zu haben, auch wenn bei uns Karl und Peter heißen. Karl unser etwas eigenwilliger und oftmals unterschätzter, aber äußerst engagierter Pfarrer und Peter unser langjähriger und manchmal überschätzter, aber ebenso engagierter Bürgermeister.
Zwei Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein können, die beide vermutlich nur zum Wohle der Bevölkerung arbeiten.
Auf der einen Seite unser Pfarrer Karl , ein hoch gebildeter Mensch, der in seinen legendären Gottesdiensten keinen unberührt lässt. Ein Meister der Visualisierung, der riesige Bilder mitschleppt, wenn er uns etwas verdeutlichen möchte, der Sätze, die ihm wichtig sind, so oft wiederholt, bis er den Eindruck hat, dass sie nun auch wirklich jeder gehört und verstanden hat. (Nein, er leidet nicht an Vergesslichkeit, da steckt System dahinter.) Ein Mann, dessen Begeisterung beim Singen einfach anstecken muss und der sich langsam aber sicher an die Thaler Bevölkerung angepasst hat. Manchmal neigt er vielleicht noch zu Höhenflügen, zu denen sich nicht alle emporschwingen können.
Karl, der Rächer der Bedürftigen, der KEINES seiner Schäflein im Regen stehen lässt und nicht müde wird sich für Minderheiten einzusetzen. Er ist kein Pfarrer der alten Schule, sondern äußerst liberal und mit viel Verständnis für menschliche Schwächen – seine sind übrigens die Kuchen und Torten des Pfarrcafés, die ihm die eifrigen Damen auch gerne für zuhause einpacken, da er immer ein großzügiger Unterstützer des Cafés ist.

Und am Ende jedes seiner öffentlichen Auftritte hat er einen Witz für seine Zuhörer, bei dem man ab und zu länger überlegen muss, bis er sickert.

Auf der anderen Seite unser Bürgermeister Peter, ein typischer sozialistischer Politiker. Volksnahe, lächelnd und oftmals ein wenig zu derb in seiner Ausdrucksweise. Etwas zu frauenfreundlich, wenn es um Körpersprache geht, viel zu frauenfeindlich, bei allem anderen. Ein Mann, der für seine Anhänger alles möglich macht und noch für jedes, seiner ihm hörigen Schäfchen eine optimale Lösung gefunden hat. Und er ist ein Mann, der seine potenziellen Feinde bereits vor dem offiziellen Halali zum Abschuss frei gibt. Ein richtiger Platzhirsch also, einer von denen, die es kaum mehr gibt. Fehler macht Peter nie, denn alles, was er macht, lässt sich irgendwie in die, für ihn richtige Richtung drehen. Seitdem er den neuen Amtsleiter hat, schafft er es sogar in geradem Deutsch, die Bürgermeisterinfo für sich und seinen Vorteil zu nutzen. Schön wäre es noch, wenn ihm jemand das Reden abnehmen könnte, dann wäre vielleicht so manches Gestammel verständlicher und weniger laut.
Und was er da so ganz ALLEINE in seiner Amtszeit realisiert hat, Wahnsinn! Von ihm aus bräuchte es gar keinen Gemeinderat, er macht sowieso alles ALLEINE.

Auch er hat bei öffentlichen Auftritten immer einen Witz auf Lager. Allerdings einen, der einem 100-prozentig entweder Schamesröte ins Gesicht oder peinliches Schweigen auf die Lippen zaubert.

Zwei Männer also, die unterschiedlicher nicht sein können, sich aber in einem einig sind – erwähne in der Gegenwart des einen, niemals den Namen des anderen…

Wäre doch fast schade, wenn so eine Ära zu Ende ginge, oder vielleicht doch nicht?

Trabantenkinder

Thal ist eine so genannte Trabantenstadt – ein Vorort von Graz, der hauptsächlich zum Schlafen dient. Das ist beinahe das ganze Jahr über so. Die Erwachsenen gehen arbeiten und kommen nachts zum Schlafen heim, die Kinder sind in Bildungs- oder anderen Betreuungseinrichtungen und kommen nachts zum Schlafen heim. Alles ist in schönster Ordnung – wären da nur nicht die Sommermonate.
Im Juli gibt es ja noch die Sommerbetreuung, wo einige Kinder gemeinsam Sommerluft schnappen können. Für viele Kinder ist sie aber aus dem Grund nicht nutzbar, weil die Betreuungszeiten für die Eltern zu wenig flexibel sind. Im schlimmsten Fall sieht man also seine Freunde den ganzen Sommer über nicht.
Und ab August geht es dann so richtig los:
Unzählige Kinder sitzen in den Gärten und Häusern und fadisieren sich. Daran kann auch die Flut von Beschäftigungsspielsachen wenig ändern – Alleinsein ist einfach fad. Der Pool vor der Türe (den übrigens gegen die Meinung vieler, noch nicht jeder hat) kann daran auch wenig ändern. Engagierte Eltern beschäftigen sich natürlich auf viele Arten mit ihren Kindern, aber es sind eben Eltern und nicht Freunde. Noch engagiertere Eltern schließen sich zusammen und treffen sich, wenn sie einander sympathisch sind, und unternehmen in kleinen Runden von Zeit zu Zeit gemeinsam etwas mit den Kindern. Aber nicht alle Kinder haben das Glück, dass sich ihre Eltern mit anderen Eltern zusammentun. So schwimmen sie ihre einsamen Runden oder spielen gegen ihre Computer. Doch kaum erklingt von Ferne Kinderlachen aus einem anderen Grundstück, werden die Hälse länger und die Augen größer und sehnsuchtsvoll schauen sie in die Richtung, aus der das Lachen kommt. So ist es nicht verwunderlich, dass sich sooo viele Kinder in letzter Zeit ein Schwimmbad gewünscht haben, einen Ort, wo man andere Kinder treffen kann. Einen Ort, wo Fernseher, PC und Handy plötzlich unwichtig werden. Oder einen Spielplatz im eigenen Weiler, wo man ungestört laut sein darf im Sommer, wo man einfach hin gehen kann, ohne dass Erwachsene gleich genervt sind. Oder eine Wiese, abgeschirmt vom Verkehr, wo man einfach kicken darf und keinem Bauern das Gras zertritt oder dem Nachbarn eine Fensterscheibe einschlägt.

Wir haben einen Freizeitpark, der den Sommer über, wenn es die meiste Freizeit gibt, geschlossen und für die Thaler Kinder unbenutzbar ist. Wir haben einen See, der nicht saniert wird, weil eh jeder einen Pool hat und wir haben Kinder, die so gerne gemeinsam die schönste Zeit des Jahres verbringen möchten.

Können wir es nicht gemeinsam anpacken und unseren Kindern einen schönen Sommer bescheren, der ihnen für immer im Gedächtnis bleiben wird?

„Ins Paradies eini schaun“

– oder auch das ist Thal

Am vorigen lauen Frühlings-Wochenende hat sich eine kleine Gruppe zusammengeschlossen, um Frühlingsluft zu schnuppern. Eine junge Frau aus Unterthal, die bisher nur das Siedlungsleben „unten“ im Ort genossen hat, war mit von der Partie.
Wir entführten sie zu einem leerstehenden alten Bauernhof auf einem der Hügel rund um Thal, um ihr zu zeigen, was Thal alles zu bieten hat. Eine herrliche Stille – nur  die Vogerln zwitscherten, und von weit her war ein Radio zu hören – umgab uns. Riesige, gefüllte Schneeglöckchen hüllten den Hang in ein feierliches Weiß. Sanft plätscherte ein romantischer Brunnen vor dem Haus. Die junge Frau war begeistert und fühlte sich:
„Wie im Paradies“.

Dieser Hof steht seit dem Tod der Besitzerin leer und droht, von allen vergessen, langsam einzuschlafen. Bis vor einiger Zeit lebte dort eine alte Dame – ganz einfach und für die heutige Zeit unvorstellbar – ohne Wasser im Haus, ohne Kanal, ohne Badezimmer und ohne Zentralheizung. Die Heizung erfolgte im ganzen Haus mit einem einzigen Ofen, der mit Holz befeuert wurde.
Geschlafen hat sie, fast bis zuletzt, auf Strohsäcken. Als eine gute Thaler Seele sie zu pflegen begann, wurde ein Bett mit Lattenrost und Matratze hinauf gekarrt.

Ein riesiges Grundstück mit Wald gehörte auch zu dem Hof. Nachbarn halfen den Windbruch notdürftig aufzuarbeiten, denn die alte Frau war schon lange nicht mehr in der Lage, sich um alles zu kümmern.

Unvorstellbar, dass fernab von Niedrigenergiehäusern, Pools und Partys so etwas noch existiert.
Was für Spaziergänger idyllisch und paradiesisch anmutet ist für andere kärgliche und harte Realität. Aber diese Menschen kannten ihr ganzes Leben nichts anderes und beklagten sich nie.
Lasst uns gemeinsam Ausschau halten nach diesen bescheidenen Menschen.
Vielleicht können wir dem einen oder der anderen das Leben ein wenig leichter machen – denn es gibt noch einige davon, am Rande dieses schönen T(h)als.
Einige, die gar keine Hilfe erwarten, sie vielleicht auch nur schwer annehmen können, aber dann doch strahlen, wenn sie jemanden zum Plaudern finden – dem sie die Geschichten von früher erzählen dürfen und der ihnen vielleicht nebenbei ein paar Handgriffe erledigt. Und wir können noch viel von ihnen lernen –

und wenn’s nur ein bisserl Bescheidenheit ist.

Dann ist’s wirklich das Paradies!

Neulich beim Wirtn

Neulich traf ich mich mit ein paar Freunden beim Kreuzwirt, um einen gemütlichen Abend zu verbringen. Wir aßen, tranken und blödelten so vor uns hin, als aus dem Schankraum plötzlich ein lautstarker Tumult zu uns herüber schallte.
Die Gemeinderatswahl  erregte zu später Stunde die Gemüter und zieht scheinbar tiefe Gräben in unser schönes Thal.
Der Hauptstreitpunkt waren wieder einmal die „Zuagrasten“, die sich erdreisten in das politische Geschehen des Ortes einzugreifen, obwohl sie dazu ja gar kein Recht hätten. Da wurde diskutiert, ob diese sich nicht eher demütig und dankbar darüber, dass sie überhaupt bauen durften, im Hintergrund zu halten hätten. Andere wiederum meinten, dass die Neuen sich zu wenig in der Öffentlich zeigen, um wählbar zu sein. Es war in diesem Zusammenhang wieder einmal von Hol- und Bringschuld die Rede.
Mir stellte sich die Frage:
Wie oft muss eigentlich ein Politiker beim Wirt sein, um gekannt und damit wählbar zu werden?
Menschen, die normalerweise einfach in der Freizeit friedlich nebeneinander ein Glaserl trinken, werden plötzlich lautstark gezwungen ihre politische Meinung kund zu tun und nach dieser wird neu  in Freund oder Feind eingeteilt.

Kriterien zum richtigen Wahlverhalten wurden auch in diesem erlesenen Arbeitskreis erarbeitet:

  1. Darf man einen Menschen wählen, weil er ein persönlicher Freund ist?
  2. Muss man einen Menschen wählen, weil er über die Gemeinde Arbeit verschafft?
  3. Wählt man das schönste Wahlversprechen?
  4. Wählt man besser Alteingesessene, weil sonst Traditionen gebrochen werden?
  5. Kann man am Land eine Partei wählen, die einen Tierschützer in ihren Reihen hat?
  6. Ist ein frischer Wind nicht eher schädlich für den Ort?

Nach einiger Zeit musste ich aus biologischen Gründen den Schankraum durchqueren und wurde prompt von der diskussionsfreudigen Runde angehalten. Ich wurde von den einen höflich befragt und von den anderen wüstest beschimpft, da ja auch ich eine von den aufmüpfigen „Zuagrasten“ bin. (Ich hoffe ja noch immer, dass ich irgendwann einmal endlich meine schriftliche Aufenthaltsgenehmigung bekomme, die ich dann ständig mit mir herum tragen werde, um mich ausweisen zu können).

Ich bin nun aber klüger als zuvor:

  1. „Zuagrast“, Frau sein und auf einer anderen Liste als der eigene Mann kandidieren ist mehr als man den Menschen zumuten darf.
  2. Es gibt keine eindeutige Bestimmung darüber, ab welcher Generation der Ortsansässigkeit man ThalerIn ist.
  3. Was anderes als das Alte zu wählen ist gefährlich, da die Ansteckungsgefahr zu groß ist.
  4. Eine eigene Meinung haben, ist für junge ThalerInnen unzulässig.
  5. Wenn die Argumente ausgehen und man zu alt für eine Schlägerei geworden ist, geht man beleidigt nach Hause.
  6. „Nix für ungut“ ist die Legitimierung für anschließende Beschimpfungen.
  7. Diese Wahl bringt plötzlich Bewegung und Leben in die Schlafgemeinde.
  8. Weise als junges Mädchen niemals einen jungen Thaler zurück, denn du fügst ihm damit dauerhafte psychische Schäden zu und der arme Kerl leidet ein Leben lang darunter.
  9. Vor einer Wahl Wirt zu sein erfordert höchstes diplomatisches Geschick, daher mein Vorschlag:
    „Roman for Bürgermeister“

 

Virtuelle Nachtschwärmer-Bar

Vorige Woche, in einer schlaflosen Nacht, hat sich spontan, als die meisten Gehsteige bereits hoch geklappt waren, eine kleine virtuelle Nachtschwärmer-Bar in Facebook gebildet. Auf einer Facebook-Seite , wo sich normalerweise ernste Themen zur Diskussion stellen und das Neueste aus Thal verlautbart wird, hat ein Artikel aus der kleinen Zeitung und ein nicht dazu gehörendes Posting unserer geschätzten Deponie-Gegner-Amazone ein paar schlaflose Menschen zu einem irrwitzigen Brainstorming-Marathon über Thaler Entwicklungsmöglichkeiten inspiriert. (Nachzulesen in der Gruppe friends of Thal bei Graz).

Ein wenig Alkohol wird wohl auch im Spiel gewesen sein, als die Ideen geboren wurden, aber vor allem viel Ironie und zeitweise sogar Sarkasmus. Es wurde philosophiert von Autobahnzubringern, die über Thal-Eben geführt werden, um die Steinbergstraße zu entlasten, für den dann Maut eingehoben werden könnte. Tunnel, um die Engstellen der Thalerseestraße zu entschärfen (und um Maut zu kassieren), damit die Baurestmassen oder sogar teuer bezahlter Sondermüll im Becken des Sees besser entsorgt werden können. Auf dieser Schüttung hätten dann auch bequem ein neues Gemeindezentrum samt Schule und Kindergarten Platz. An den Ufern des Sees wäre wohl auch ein von der Gemeinde betriebenes Laufhaus mit angeschlossener Bauerndisco eine Option, um Gelder in die Gemeinde Kasse zu bringen. Sollte dieses Objekt von der Stadt Graz allerdings nicht zur Verfügung gestellt werden, wäre auch das Industriegrundstück an der Steinbergstraße dafür geeignet – das würde dann allerdings wieder den Unmut der Bewohner der selben auf das Projekt ziehen, da sich vermutlich der „Verkehr“ verdoppeln würde.

Auch von einer Eingemeindung Göstings wurde gesprochen, um LKWs besser durch Thal führen zu können (und Maut zu verlangen). Die gesamte Diskussion umfasste übrigens über 500 Postings.

Natürlich war keine der Ideen ernst gemeint, aber die ganze Diskussion zeigt eines sehr gut – die Leute wünschen sich Ideen, die Geld bringen und nicht nur kosten – und es gibt kreative Geister in dieser Gemeinde, die in richtige Bahnen gelenkt, durchaus einiges zuwege bringen könnten.

Der Großteil der Bevölkerung durchschaut populistische Versprechen, die gut und schön klingen, aber niemals finanzierbar sind.

Monopoly spielt man mit Spielgeld am Spielbrett  und nicht mit Steuer-Geldern in Gemeinden.